Emissionen direkt an der Miete kontrollieren
Die Membran ist das zentrale Element des ACT-Systems. Sie sorgt dafür, dass Emissionen nicht erst am Hallenausgang oder in nachgeschalteten Aggregaten behandelt werden, sondern dort, wo sie entstehen: direkt an der Kompostmiete.
Dabei erfüllt sie zwei scheinbar gegensätzliche Anforderungen gleichzeitig. Sie ist wasserdicht und robust gegenüber Witterung, lässt aber kontrolliert Luft austreten. Genau dieses Zusammenspiel macht ihre Wirkung aus.
So arbeitet die Membran im Prozess
Die Membran wird über die Miete gelegt und seitlich dicht befestigt. Durch die gezielte Druckbelüftung baut sich unter ihr ein leichter Überdruck auf, wodurch sie sich leicht hebt. Die warme, feuchte Prozessluft steigt aus dem Rottegut auf und trifft auf die Innenseite der Membran.

Beim Kontakt mit der kühleren Membran kondensiert ein Teil der Feuchtigkeit. Es bildet sich ein dünner Wasserfilm auf der Innenseite. Dieser Wasserfilm ist kein Nebeneffekt, sondern ein entscheidender Bestandteil der Emissionsminderung.
In diesem Film werden wasserlösliche Stoffe wie Ammoniak gebunden. Auch Aerosole, Staubpartikel und geruchsaktive Begleitstoffe werden im feuchten Milieu zurückgehalten. Gleichzeitig verhindert die Membran einen unkontrollierten Luftstrom nach außen. Die Prozessluft kann nur gedämpft und gleichmäßig entweichen. Dadurch bleibt mehr Zeit für Bindung und biologischen Abbau im System.

Sobald die Belüftung abgeschaltet wird, legt sich die Membran wieder auf das Rottegut. Der Wasserfilm mit den gebundenen Stoffen wird in den biologischen Prozess zurückgeführt und dort weiter abgebaut. Emissionen werden somit nicht verlagert, sondern prozessintegriert behandelt.
Optimale Prozesskontrolle durch Feuchtemanagement
Die Membran ist vollständig wasserdicht gegenüber Regen und Oberflächenwasser. Das schützt die Miete vor unkontrolliertem Wassereintrag und verhindert das Auswaschen von Nährstoffen. Gleichzeitig bleibt das Prozesswasser im System steuerbar.
Statt Verdünnung durch Regen oder unkontrollierter Sickerwasserbildung ermöglicht die Membran eine stabile Feuchteführung. Das verbessert die Prozesskontrolle, reduziert potenzielle Austräge und sorgt für reproduzierbare Bedingungen in der Rotte.
Zusammenfassend kann die Prozessführung dadurch deutlich besser kontrolliert werden.
Qualität und Dauerhaftigkeit
Die von ACT eingesetzte Membran wird in Europa gefertigt und erfüllt hohe Qualitätsanforderungen. Sie ist mechanisch stabil, witterungsbeständig und für den dauerhaften Einsatz im Kompostbetrieb ausgelegt.
Bei sachgemäßer Handhabung ist die Lebensdauer entsprechend hoch. Sollte es dennoch zu kleineren Beschädigungen kommen, lassen sich diese unkompliziert mit Reparaturflicken instandsetzen. Für Sensorik oder Messpunkte können Öffnungen gezielt vorkonfektioniert werden, ohne die Funktion der Membran zu beeinträchtigen.
Die seitliche Befestigung sorgt zusätzlich dafür, dass keine Luft unkontrolliert am Rand austreten kann. So bleibt die Wirkung nicht nur theoretisch, sondern praktisch zuverlässig.
Technischer Hintergrund für Interessierte
Die Wirkung der ACT-Membran beruht nicht auf einer selektiven Gassperre, sondern auf der gezielten Beeinflussung der Transportmechanismen zwischen Rottekörper und Umgebung.
Im offenen Betrieb dominieren konvektive Strömungen. Warme Prozessluft steigt auf und transportiert gasförmige Stoffe, Aerosole und geruchsaktive Komponenten nahezu ungehindert ab. Durch die Membran wird dieser konvektive Transport deutlich reduziert. Statt freier Strömung entsteht unter der Abdeckung ein kontrollierter Druckaufbau. Der Stoffaustausch erfolgt überwiegend diffusionsgetrieben und mit stark verringerter Austragsgeschwindigkeit.
Reduktion konvektiver Stofftransporte
Konvektion ist ein volumengetriebener Transportmechanismus. Wird sie gebremst, sinkt die Emissionsrate erheblich, selbst wenn einzelne Gase grundsätzlich diffusionsfähig bleiben. Die Membran wirkt daher primär als Strömungsregulator mit definierter Permeabilität und nicht als starre Gassperre.
Kondensationszone als temporäre Flüssigphase
Durch den Temperaturgradienten zwischen warmer Prozessluft und der kühleren Membraninnenseite entsteht eine Kondensationszone. Der gebildete Wasserfilm stellt eine temporäre Flüssigphase dar, in die wasserlösliche Stoffe entsprechend ihrer Löslichkeit übergehen.
Ammoniak beispielsweise löst sich gut im Wasserfilm und kann dort in protonierter Form vorliegen. Geruchsaktive organische Komponenten werden teilweise physikalisch absorbiert oder in der Flüssigphase gebunden. Zusätzlich werden partikelgebundene Emissionen beim Kontakt mit der feuchten Grenzfläche abgeschieden.
Rückführung in den biologischen Prozess
Entscheidend ist, dass diese gebundenen Stoffe nicht dauerhaft an der Membran verbleiben.
Sobald die Belüftung reduziert oder abgeschaltet wird, sinkt der Überdruck unter der Membran. Die Abdeckung legt sich wieder auf das Rottegut. Der zuvor gebildete Kondensatfilm läuft ab oder wird durch den Kontakt mit dem Material wieder aufgenommen. Die darin gelösten und abgeschiedenen Stoffe gelangen somit zurück in den Rottekörper.
Dort stehen sie erneut dem biologischen Abbau zur Verfügung. Wasserlösliche Stickstoffverbindungen können weiter umgesetzt oder gebunden werden. Organische Geruchskomponenten werden mikrobiell abgebaut. Partikuläre Stoffe verbleiben im Material und werden in die weitere Rotte integriert.
Die Membran wirkt damit nicht nur emissionsmindernd nach außen, sondern unterstützt eine interne Stoffkreislaufführung. Schadstoffe werden nicht ausgetragen, sondern im Prozess gehalten und weiter verarbeitet.
Prozessstabilisierung als zusätzlicher Effekt
Die gedämpfte Sauerstoffabgabe stabilisiert zusätzlich die aeroben Bedingungen im Rottekörper. Gleichmäßigere Sauerstoffverhältnisse reduzieren die Bildung anaerober Zonen und damit die Entstehung klimarelevanter Gase wie Methan oder Lachgas.
Die Emissionsminderung entsteht somit aus einem kombinierten Effekt aus Strömungsregulierung, Phasenübergang, Grenzflächenabscheidung und prozessinterner Rückführung.
Fazit
Die Membran ist das Kernelement des ACT-Systems. Sie verbindet mechanische Stabilität, Witterungsschutz und kontrollierten Gasaustausch mit einer aktiven Emissionsminderung direkt an der Miete.
Durch die gedämpfte Luftabgabe, die Bildung eines Kondensatfilms und die prozessinterne Rückführung gebundener Stoffe werden Gerüche, wasserlösliche Emissionen und partikelgebundene Bestandteile deutlich reduziert. Gleichzeitig stabilisiert die Membran die aerobe Prozessführung, verhindert unkontrollierte Konvektion und schützt das Rottegut vor äußeren Witterungseinflüssen.
Das Ergebnis ist eine verbesserte Geruchsreduzierung, eine kontrollierte Feuchteführung, geringere diffuse Emissionen und eine höhere Prozessstabilität.
Damit wird die Membran zu einem entscheidenden Baustein für eine stabile, emissionsarme und genehmigungsfähige Kompostierung.
Wenn Sie den beschriebenen Ablauf visuell nachvollziehen möchten, empfehlen wir Ihnen unser YouTube-Video. Dort wird der Prozess anschaulich dargestellt und Schritt für Schritt erläutert.
Text by Jonas Schmidt